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TTBL: Ochsenhausen gewinnt Topspiel-Krimi in München

TTBL: Ochsenhausen gewinnt Topspiel-Krimi in München

Im mit 4.500 Besuchern gut gefüllten Münchner Audi Dome hat Pokalsieger Ochsenhausen Meister Düsseldorf in einer packenden Partie mit 3:2 geschlagen. Der TTF-Sieg in außergewöhnlichem Ambiente bedeutet, dass Gauzy und Co. nun gute Karten haben, die Punktrunde als Erster zu beenden.

Zum Auftakt standen sich – nachdem Klavier-Virtuose Joja Wendt und DSDS-Star Marie Wegener die Fans so richtig in Stimmung versetzt hatten – Timo Boll und Simon Gauzy gegenüber. Gauzy hat den Weltranglistenfünften schon öfters geschlagen, doch diesmal wollte es nicht glücken. Nach ausgeglichenem Verlauf der ersten beiden Sätze setzte sich der deutsche Nationalspieler immer besser in Szene und gewann mit 3:1.

Calderano-Gala im Audi Dome

Doch das wollte Hugo Calderano, dessen Vertragsverlängerung in Ochsenhausen vor wenigen Tagen bekannt gegeben worden war, so nicht stehen lassen. Gegen den Ägypter Omar Assar war der 22-Jährige TTF-Spitzenspieler der dominierende Mann in der Box und hatte beim 3:1 lediglich im dritten Satz Probleme.

1:1 zur Pause beim Spitzen-Event im Audi Dome vor großer Kulisse, das dem Motto „Live-Entertainment und Weltklasse-Tischtennis“ alle Ehre machte. Alles war offen. Und das sollte noch eine Weile so bleiben – insgesamt drei Stunden und 35 Minuten duellierten sich die beiden Giganten des deutschen Mannschaftstischtennis auf Augenhöhe.

Zunächst war wieder Düsseldorf an der Reihe, obwohl es erst danach aussah, als könnten die Oberschwaben mit 2:1 in Führung gehen. Doch gegen seinen früheren Klubkollegen Stefan Fegerl drehte der Schwede Kristian Karlsson das Match nach zwei deutlich verlorenen Sätzen noch und erkämpfte einen erneuten Vorsprung für die Borussia.

 Im Düsseldorfer Lager kalkulierte man nun, dass Timo Boll gegen Hugo Calderano den Sack zumachen würde zum 3:1. Doch der Brasilianer steht im internationalen Ranking nur noch einen Platz hinter Boll und ist seit Wochen in Topform. Zudem hat er nicht die geringste Angst vor dem Tischtennis-Promi des DTTB, den er schon mehrere Male geschlagen hat. „Ich bin bereit“, hatte Calderano vor der Partie angekündigt – und das war er auch. In einem Match auf extrem gutem Niveau legte der TTF-Profi zweimal nach Sätzen vor, Boll kam zweimal zurück, doch im Entscheidungsdurchgang machte der Ochsenhausener die Sache mit 11:7 klar und brachte seinem Gegner die zweite Saisonniederlage in der TTBL bei – für die erste hatte Ricardo Walther gesorgt.

Damit hatte Calderano sein Team ins Schlussdoppel gerettet. Doch da sah es zunächst überhaupt nicht gut aus für die Formation Gauzy/Fegerl, die zuvor erst einmal in einem Punktspiel im Einsatz war. Die Schweden Karlsson/Källberg, nach drei Einsätzen in der TTBL besser eingespielt, starteten furios, gewannen die ersten beiden Sätze ziemlich deutlich und führten im dritten Durchgang mit 10:8. Düsseldorf stand also kurz vor dem Triumph, doch die beiden Ochsenhausener blieben gelassen. Zwei Matchbälle wehrten sie ab, gewannen den Satz noch mit 12:10 und waren auf einmal hellwach und zeigten das zum Sieg nötige Selbstvertrauen. In den Sätzen vier und fünf machten die konsternierten Düsseldorfer zusammen nur noch sechs Punkte.

Die TTF hatten eine denkwürdige Partie gedreht. Für die Mannschaft war es auch insofern ein wichtiger Sieg, als es für das Selbstvertrauen gut ist zu wissen, dass man die Borussia auch mit einem starken Boll schlagen kann – es könnte ja in den Play-offs zu einem weiteren Aufeinandertreffen kommen, vielleicht sogar im Finale.

Mehr als dreieinhalb Stunden packendes, hochklassiges Tischtennis mit der Entscheidung im fünften Satz des Doppels – mehr konnte man den 4.500 Zuschauern im Audi Dome einfach nicht bieten. Wobei natürlich beide Mannschaften zu diesem bemerkenswerten Spiel ihren Beitrag geleistet haben.

Düsseldorfer und Ochsenhausener Stimmen zum Spiel

„Natürlich bin ich jetzt direkt nach dem Spiel enttäuscht“, so Borussia-Trainer Danny Heister. „Aber wir haben trotzdem großartig gekämpft. Genau wie Ochsenhausen, die sich heute nie aufgegeben haben. Aber ich weine unserer Chance nicht nach sondern schaue nach vorn. Wir starten gleich noch in Richtung Aschaffenburg, von wo aus wir morgen nach Grenzau zum nächsten Spiel starten.“

Düsseldorfs Manager Andreas Preuß war vom Event äußerst angetan, vom Endergebnis des Spiels natürlich weniger. „Ein Filmregisseur hätte gesagt: Tolle Veranstaltung, aber die letzten 15 Minuten schneiden wir raus. Es war ein großartiges Event mit sportlichen Highlights, einem tollen Programm und einem im Verlauf immer stärker euphorisiertem Publikum.“

„Ochsenhausen hat verdient gewonnen“, lobte Timo Boll die Leistung des Siegers. „Kristian Karlsson hatte sein Spiel schon fast verloren. Ich selbst hatte meine Chance gegen Calderano, im Doppel haben wir Möglichkeiten liegen gelassen. Darum hat es insgesamt nicht gereicht.“

„Für mich war das ein großartiges Spiel, für die Zuschauer war es das sicher auch und zudem war es ein äußerst intensives, spannendes Duell zweier Topmannschaften mit vielen schönen Ballwechseln“, so Ochsenhausens Cheftrainer Dmitrij Mazunov. „Natürlich war es ein glückliches Ende für uns, da wir nach Rückständen immer wieder zurückgekommen sind. Klar, dafür brauchst du eine gewisse Qualität aber eben auch etwas Glück.“ Mazunov hofft auf positive Nachwirkungen des Erfolgs: „Es ist gut möglich, dass uns das einen extra Schub gibt in Hinblick auf die weiteren Aufgaben und speziell die Play-offs. Zudem ist es immer ein gutes Gefühl, Düsseldorf zu schlagen.“ Besonders erfreut zeigte sich der Trainer über Calderano: „Hugo war in Topform. Er hat in den letzten Wochen auch sehr gut trainiert. Es hat mich gefreut, dass er das heute auch an den Tisch gebracht hat. Das Spiel gegen Timo war von beiden superklasse.“

Nicht minder erfreut zeigte sich TTF-Präsident Kristijan Pejinovic. „Es war ein Top-Event mit einer Bombenstimmung in der Halle, da hat einfach alles gepasst – für uns natürlich durch das Happyend noch mehr als für die Düsseldorfer“, sagte Pejinovic, der sich auch darüber gefreut hat, dass mehr TTF-Fans als erwartet mitgereist waren, die das Team mächtig angefeuert haben. „Die Mannschaftsleistung war gut, besonders muss man jedoch Hugo hervorheben – er war der Mann des Tages.“ Nun ist erst einmal etwas Entspannung angesagt: „Wir haben das fantastisch gemacht und die Spitze gehalten. Jetzt können wir uns ohne Stress anschauen, was die anderen am Sonntag in der Liga machen.“

Borussia Düsseldorf – TTF Liebherr Ochsenhausen 2:3
Timo Boll – Simon Gauzy 3:1 (11:8, 11:13, 11:7, 11:6)
Omar Assar – Hugo Calderano 1:3 (6:11, 2:11, 11:9, 7:11)
Kristian Karlsson – Stefan Fegerl 3:2 (7:11, 6:11, 11:6, 11:9, 11:5)
Timo Boll – Hugo Calderano 2:3 (9:11, 11:5, 9:11, 11:6, 7:11)
Karlsson/Anton Källberg – Gauzy/Fegerl 2:3 (11:8, 11:6, 10:12, 4:11, 2:11)

 

Text: Dr. Stephan Roscher

Mannschaftsfoto: TTF Liebherr Ochsenhausen

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