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TTF Liebherr Ochsenhausen gewinnen den DTTB Pokal

Erster Titel seit 2004: TTF haben den Pokal

Es war ein denkwürdiger Tag für die TTF Liebherr Ochsenhausen. Vor über 4.000 Tischtennisfans in der Neu-Ulmer Ratiopharm Arena, von denen die allermeisten den Klub aus Oberschwaben anfeuerten, hat das Team von Dmitrij Mazunov am Samstag Tischtennisgeschichte geschrieben. Nach sechs Pokalerfolgen der Düsseldorfer Borussia in Serie haben die TTF den begehrten Cup nach Oberschwaben geholt – der erste und eigentlich überfällige Titelgewinn seit 2004 und der verdiente Lohn für die harte, zielgerichtete Arbeit, die man seit vielen Jahren in Ochsenhausen leistet.

 

15 Jahre hatte man warten müssen, um sich wieder in die Annalen des Tischtennissports einzutragen. Man wurde zum vierten Mal nach 2002, 2003 und 2004 Deutscher Pokalmeister. Dazu kommen drei nationale Meisterschaften (1997, 2000 und 2004) sowie zwei Europapokalsiege (1996 und 1997) – somit gelang Hugo Calderano, Simon Gauzy, Stefan Fegerl, Jakub Dyjas und Jang Woojin am 5. Januar 2019 der neunte Titelgewinn für den Kultklub aus Oberschwaben.

 

Im Endspiel des Liebherr Pokal-Finales wurde der SV Werder Bremen mit 3:1 bezwungen. Im Halbfinale fertigte man den TTC Zugbrücke Grenzau mit 3:0 ab. Der Bundesliga-Spitzenreiter wurde seiner Favoritenrolle letztlich gerecht, war aber richtig gefordert. Besonders im Endspiel von Werder Bremen, das im Halbfinale den ASV Grünwettersbach mit 3:1 geschlagen hatte. Bei den Norddeutschen spielten Bastian Steger und Gustavo Tsuboi in Topform. Es war ein hartes Stück Arbeit mit einem verdienten Happyend, verdient, weil die Mannschaft stets an sich geglaubt und jeder für jeden aufopferungsvoll gekämpft hat. So durfte nach Turnierende gejubelt und ausgelassen gefeiert werden – und die Feiern werden, das darf man prophezeien, so schnell nicht beendet sein.

 

Es war ein Pokalerfolg in großartigem Ambiente und vor überragender Kulisse. 4.020 Zuschauer waren trotz des Schneetreibens in weiten Teilen Bayerns und Baden-Württemberg gekommen – ein neue Rekordmarke für das Liebherr Pokal-Finale. Und die Stimmung in der Arena war grandios, auch wenn diesmal kein Timo Boll und keine Düsseldorfer Borussia beteiligt waren. Dazu trugen natürlich die vielen Zuschauer aus der Region bei, die hinter den TTF standen und sie bis zum letzten Ballwechsel frenetisch anfeuerten. Aber – und das muss man neidlos anerkennen – auch der ASV Grünwettersbach brachte tolle Fans mit, bestimmt 200 an der Zahl, die, entsprechend gekleidet, eine imposante „rote Wand“ in der Halle bildeten.

 

Souveränes Halbfinale, schwieriges Finale

 

Im Halbfinale hatten die Ochsenhausener wenig Mühe mit dem TTC Zugbrücke Grenzau, auch wenn die Westerwälder sich nach Kräften wehrten. Doch ein Matchgewinn gelang selbst dem gegen Simon Gauzy stark spielenden Mihai Bobocica nicht. Hugo Calderano legte mit einem 3:1 gegen Grenzaus Nummer eins, Kirill Gerassimenko, nach. Der erstmals bei den TTF eingesetzte Südkoreaner Jang Woojin, aktuelle Nummer elf der Welt, packte durch ein 3:0 über den jungen Dänen Anders Lind den Sieg des Favoriten in trockene Tücher.

Das Endspiel stand dagegen lange auf des Messers Schneide. Manche Ochsenhauser waren zeitweilig schon unruhig geworden und sahen den Außenseiter aus Norddeutschland, der viel besser spielte als bisher in der Liga, auf dem Weg zu einem Sensationssieg. Das dritte Match wurde zum Schlüsselspiel, nachdem zuvor Hugo Calderano einen Pflichtsieg gegen Hunor Szöcs eingefahren hatte und Jang Woojin einem auf höchstem Level spielenden Bastian Steger sehr knapp und etwas unglücklich unterlegen war. Die Rede ist von der Partie zwischen Simon Gauzy und Gustavo Tsuboi. 2:2 stand es nach Sätzen und der bis dahin phänomenal spielende Tsuboi schien im fünften Durchgang auf die Siegerstraße einzubiegen. Bremens Brasilianer führte mit 4:1 und hatte den Ochsenhauser in höchster Bedrängnis, der sich nur noch mit einer aus der Not geborenen Ballonabwehr zu helfen wusste, wie sie ihm Tsuboi vorher regelmäßig um die Ohren gehauen hatte. Der Ball kam nicht einmal besonders gefährlich zurück, aber er kam und Tsuboi verfehlte ihn. 4:2 statt 5:1. Gauzy ballte die Faust und war mit einem Schlag wieder voll da, während sein Gegner nicht mehr zu seinem Rhythmus fand. Die Folge: Gauzy machte aus dem 1:4 ein 11:4 und die TTF führten mit 2:1. Folglich konnte Hugo Calderano im Anschluss gegen Bastian Steger ganz anders aufspielen als bei einem Rückstand. Ein ungefährdeter 3:0-Sieg des Weltranglistensechsten war die Folge gegen einen Steger, der zuvor in allen drei Matches geglänzt hatte. Das war der Pokalsieg!

 

„Gigantisches Gefühl“ – Ochsenhausen jubelt und feiert

 

Dmitrij Mazunov hatte zweimal als Spieler mit den TTF den Pokal gewonnen, heute das erste Mal als Cheftrainer. „Es ist einfach nur ein gigantisches Gefühl, einen Titel zu holen“, so Mazunov. „Das Gefühl heute war genau so großartig wie damals. Der Verein und das ganze Umfeld arbeiten sehr hart und ich bin sehr glücklich, dass sich diese Arbeit nun auszahlt.“ Allerdings gestand der 47-Jährige auch ein: „Ich war die letzten zwei Tage vor dem Turnier ganz schön nervös. Als Spieler ist es nicht so schlimm, da kann du selbst am Tisch etwas machen, aber als Trainer kannst du nicht selbst eingreifen und höchstens gute Tipps geben.“

 

Simon Gauzy, der zwei Tage zuvor Vater eines gesunden Sohnes namens Timéo geworden war, fiel ein Stein vom Herzen. „Das war eine sehr gute Woche für mich“, sagte der 24-jährige Franzose. „Es ist ein tolles Gefühl, jetzt in meinem sechsten Jahr in Ochsenhausen endlich mit dieser super Mannschaft den ersten Titel geholt zu haben.“ Sein Match gegen Gustavo Tsuboi stand – wie geschildert – lange auf der Kippe. Phasenweise traf der Brasilianer traumhaft. „Gustavo hat heute unglaublich gespielt“, analysierte Gauzy. „Ich bin sehr froh, dass ich das Match noch drehen konnte. Ich glaube, das war sehr wichtig für das Team.“

 

Begeistert zeigte sich auch Hugo Calderano. „Es ist fantastisch, nach all den Jahren, in denen das Team langsam aufgebaut wurde, nun den Pokal gewonnen zu haben“, so der 22-jährige Brasilianer, der nach der Siegerehrung von Dutzenden Fans belagert wurde, die Selfies und Autogramme wollten und auch erhielten. „Natürlich habe ich vor kurzem auf der World Tour den Weltranglistenersten Fan Zhendong geschlagen. Aber ich habe das Turnier nicht gewonnen, deshalb war es kein voller Erfolg. Heute haben wir den Pokal geholt und damit unser Ziel zu 100 Prozent erreicht. Das ist wichtig, das ist es, was zählt.“

 

Auch bei Jang Woojin war die Freude zum Greifen. Der 23-jährige Südkoreaner, den TTF seit Schülerzeiten verbunden, als er im Liebherr Masters College den ersten Feinschliff zum späteren Weltklassespieler erhielt, war erst seit drei Tagen in Ochsenhausen und wurde gleich in beiden Partien in den Ring geschickt. Er machte seine Aufgabe gut, auch wenn ihm eine gewisse Nervosität anzumerken war. Jang bestätigte das: „Ich war schon ziemlich aufgeregt vorher, schließlich war es mein erstes Mal in Deutschland und mein erster Einsatz für Ochsenhausen – und dann noch ein so wichtiger vor 4.000 Zuschauern.“ Jang fügte hinzu: „Es war aber auch ein schönes Gefühl, für die TTF erstmals am Tisch zu stehen, und hat mich mit Stolz erfüllt. Und dass wir den Pokal gewonnen haben, war natürlich besonders schön.“ „Wir haben im Training gesehen, dass Jang in guter Verfassung ist und uns deshalb entschieden, ihn einzusetzen“, erklärte „Dima“ Mazunov. Kristijan Pejinovic unterstrich, wie gut die Mitspieler den dreifachen Titelgewinner der Korea Open 2018 aufgenommen haben. „Es hat mich sehr beeindruckt, dass die Jungs Jang sofort integriert haben. Es war heute so, als würden sie schon lange mit ihm in einer Mannschaft spielen.“

 

„Es war ein großartiges Pokalturnier, es hat alles gepasst“, so der TTF-Präsident weiter. „Die Jungs haben sich durchgebissen und gefightet“, lobte Pejinovic seine Schützlinge. „Es hat großen Spaß gemacht hier und war super spannend. Ein großes Kompliment an dieses tolle Team, das immer an sich geglaubt hat, und an unsere Trainer! Es war ein verdienter Erfolg und zeigt, dass wir mit unserem Konzept, das wir seit Jahren zielgerichtet verfolgen, auf dem richtigen Weg sind.“ Pejinovic fügte hinzu: „Wir brauchen vermutlich noch ein paar Stunden, um das alles zu begreifen. Aber jetzt werden wir erstmal viel und lange feiern.“

 

Halbfinale

 

TTC Zugbrücke Grenzau – TTF Liebherr Ochsenhausen 0:3
Mihai Bobocica – Simon Gauzy 1:3 (11:6, 11:13, 9:11, 10:12)
Kirill Gerassimenko – Hugo Calderano 1:3 (6:11, 6:11, 12:10, 9:11)
Anders Lind – Jang Woojin 0:3 (9:11, 5:11, 10:12)

 

Finale

 

TTF Liebherr Ochsenhausen – SV Werder Bremen 3:1
Hugo Calderano – Hunor Szöcs 3:1 (9:11, 11:5, 11:6, 11:6)
Jang Woojin – Bastian Steger 2:3 (11:7, 3:11, 5:11, 11:6, 9:11)
Simon Gauzy – Gustavo Tsuboi 3:2 (10:12, 11:9, 9:11, 11:9, 11:4)
Hugo Calderano – Bastian Steger 3:0 (13:11, 11:8, 11:3)

(C) Pressebericht der TTF Liebher Ochsenhausen

 

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